Weltwirtschaft und Unternehmensverantwortung

22.04.2020

Millionenverluste durch Zusammenbruch des Bekleidungssektors in Bangladesch

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona Pandemie treffen Arbeiter_innen besonders hart. Vor allem Frauen sind der Rezession ausgeliefert.

Bild: Bangladesh Gazipur BIGUF 2015 von Solidarity Center lizenziert unter CC BY 2.0 Workers at this garment factory in Gazipur, Bangladesh, formed a union with the Bangladesh Independent Garment Workers Union Federation (BIGUF), a longtime Solidarity Center ally, enabling them to achieve safe workplaces and living wages. Credit: Solidarity Center (2015)

Sieben Jahre nach dem verheerenden Geb?udeeinsturz der Bekleidungsfabrik Rana Plaza in Bangladesch stehen Wirtschaft und Arbeiter_innen erneut vor einer Krise. Am Mittwoch, den 25. M?rz kündigte Bangladesch ein beispielloses Konjunkturpaket in H?he von 50 Milliarden Taka (rund 500 Millionen Euro) an, um die Konfektionsindustrie des Landes und andere exportorientierte Sektoren bei der Bew?ltigung der wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 zu unterstützen. Bedingt durch den krassen Abfall des weltweiten Konsums sinkt auch die Nachfrage nach Massenkonsumgütern. Und w?hrend das Konjunkturpaket Arbeitsl?hne stabilisieren soll, hat die St?rung des Wirtschaftsgeschehens das Rettungspaket bereits übertroffen. ?Die Bereitstellung dieses Betrags für Arbeitsl?hne ist positiv, allerdings kann damit bestenfalls der Mindestlohn von etwa 4 Millionen Besch?ftigten in der Textilindustrie für einen Monat bezahlt werden., sagte Mustafizur Rahman, ein Mitarbeiter des Zentrums für politischen Dialog in Dhaka.

Bangladeschs Bekleidungssektor in der Krise

über eine Million bangladeschische Textilarbeiter_innen sind bereits ohne Einkommensquelle. Die Bekleidungsfirmen hatten schon Auftr?ge in H?he von 1.5 Milliarden US-Dollar verloren, bevor der Anreiz überhaupt angekündigt wurde. Die meisten Arbeiter_innen im Bekleidungssektor in Bangladesch haben keinerlei M?glichkeit Geld zu sparen. Wenn ihre einzige Einnahmequelle wegf?llt, werden die Konsequenzen verheerend sein.

Das FES-Projekt ?Core Labour Standards Plus” (CLS+) hat in der Vergangenheit die Rolle des Bekleidungssektors in Bangladesch analysiert und Strategien vorgeschlagen, die den Besch?ftigten sozialen Schutz und angemessene L?hne erm?glicht h?tten (siehe Verknüpfung von Handel und menschenwürdiger Arbeit in globalen Lieferketten in Bangladesch). Sicherheitsnetze sind entscheidend, um die schlimmsten Folgen für die Arbeitnehmer_innen in der bevorstehenden Rezession zu mildern.

Gewerkschaften schützen Arbeitnehmerrechte

Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen sind optimal positioniert, um Besch?ftigte rechtzeitig und effektiv anzuleiten und ihnen dabei zu helfen, mit den Betrieben und Unternehmen für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarungen bezüglich Sicherheit auszuhandeln. Der IndustriALL Bangladesh Council, hat beispielsweise folgende dringliche Ma?nahmen empfohlen:

  • Bis die Situation unter Kontrolle ist, sollten Unternehmen ihren Besch?ftigten bezahlten Urlaub gew?hren;
  • Gesundheitsversorgung und Behandlung sollten gew?hrleistet sein;
  • Die Regierung sollte Besch?ftigte mit Bargeldzahlungen unterstützen;
  • Unter der Leitung des Arbeitsministeriums sollte eine trilaterale Arbeitsgruppe bestehend aus der Regierung, Unternehmen und Gewerkschaften zur überwachung eingerichtet werden.  

Mehr denn je sollten die Regierung von Bangladesch, Betriebe und die gro?en Marken jetzt mit unabh?ngigen Arbeitnehmerrechtsorganisationen und Gewerkschaften zusammenarbeiten, um die Krise zu bew?ltigen und Schutz zu gew?hrleisten.

Frauen sind schutzlos in dieser Rezession

Sch?tzungen zufolge sind in Bangladesch zwischen 61 und 80 Prozent der Besch?ftigten im Bekleidungssektor Frauen. Der Sektor war die wichtigste Quelle für formale – wenn auch oft prek?re – Besch?ftigung, insbesondere für teil qualifizierte und gering qualifizierte Frauen. Gleichzeitig wirkt sich der mangelnde Schutz von Frauen mit langen Arbeitszeiten und schlechten Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit von Frauen aus (siehe Feministische Perspektiven zur Zukunft der Arbeit in Bangladesch).

Ohne jeglichen sozialen Schutz bleiben Frauen nach einer Welle von Fabrikschlie?ungen nur wenige Optionen. Sie k?nnten Haushaltshilfen mit geringerem Lohn und erh?hter Vulnerabilit?t werden oder in einem Land, das praktisch keine soziale Sicherheit bietet, arbeitslos sein. Für Frauen, deren Arbeitsplatz eine Flucht vor h?uslichem Missbrauch war, steigt diese Gefahr.  

Die Region ist globaler Rezession besonders ausgesetzt

Bangladesch ist ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen viele exportorientierte L?nder der Region bereits konfrontiert sind oder in Kürze konfrontiert sein werden. Die kurzfristigen Folgen werden schwerwiegend sein. Asiens Volkswirtschaften werden mit eingebrochenen Lieferketten und deren Umstrukturierung zu k?mpfen haben. Da multinationale Unternehmen Rückverlagerung, Diversifizierung und Neuverhandlungen auf ihre Tagesordnung setzen, stehen die Besch?ftigten in der Region vor einer ungewissen Zukunft. Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen müssen diese St?rung nutzen, um bessere Arbeitsbedingungen im Zuge wiederaufgebauter Lieferketten zu fordern.

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Iqbal Hossain ist Programmkoordinator bei der FES in Bangladesch. Er leitet das Programm Academy of Work sowie die nationale Komponente des Projekts CLS +

Kai Dittmann arbeitet als Programmmanager bei der FES ORCA, wo er das regionale CLS+, Zukunft der Arbeit und Gewerkschaftsprogramme leitet.

Dieser Artikel erschien im Original in Englisch als Teil des #FESAsiaCoronaBrief.

Arbeitseinheit: Globale Politik und Entwicklung


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Frederike Boll
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