Geschichte der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist die ?lteste politische Stiftung Deutschlands. Am 2. M?rz 2015 ist sie 90 Jahre alt geworden. Nur wenige Organisationen in Deutschland k?nnen auf neun Jahrzehnte erfolgreicher gesellschaftspolitischer Arbeit zurückblicken.

Mit der Gründung der FES im Jahr 1925 begann hierzulande die Demokratief?rderung durch politische Stiftungen, die im Ausland bis heute gro?e Anerkennung findet. Dabei verlief die Erfolgsgeschichte der Stiftung nicht reibungslos. Die FES hatte im Laufe der Zeit vielf?ltige Herausforderungen zu meistern.

Demokratie, Frieden und Begabtenf?rderung als Gründungsauftrag

Als der erste demokratisch gew?hlte Reichspr?sident Deutschlands, Friedrich Ebert, am 28. Februar 1925 stirbt, hat der überzeugte Sozialdemokrat in seinem Testament verfügt, eine Stiftung zu gründen. Sie soll dazu beitragen, Menschen aller Schichten im demokratischen Geist zu erziehen, das Verst?ndnis zwischen Deutschland und seinen Nachbarn zu verbessern und begabte junge Menschen zu f?rdern. Die SPD und ihr nahestehende Gewerkschaften rufen auf, im Sinne des Verstorbenen zu spenden.

Bereits am 2. M?rz 1925 wird in Berlin die FES mit dem Zweck gegründet, ?jungen, bef?higten Proletariern Beihilfen für einen Studiengang an staatlich anerkannten Institutionen zu geben“. Bis Ende 1931 werden 295 Studenten mit rund 52.000 Reichsmark gef?rdert.

Die FES im Zeitraffer

Die Geschichte der FES von ihrer Gründung bis in die Gegenwart - in 4:04 Min.



Wiedergründung nach dem NS-Verbot: Konsolidierung und Ausweitung der Stiftungsarbeit

Wie alle sozialdemokratischen Einrichtungen verbietet das NS-Regime im Jahre 1933 die FES. Auf Initiative des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) wird sie nach Beschluss der SPD-Führung vom Januar 1947 wiedergegründet. Im Herbst 1948 bewilligen SDS- und SPD-Vorstand erste Stipendien für ausgew?hlte SDS-Funktion?re.

Am 1. April 1954 erfindet sich die Organisation neu und gründet unter Vorsitz des K?lner Hochschullehrers Gerhard Weisser den gemeinnützigen Verein "Friedrich-Ebert-Stiftung zur F?rderung demokratischer Volkserziehung e. V".

Der 31. Todestag Eberts am 28. Februar 1956 wird zum Meilenstein in der Politischen Bildungsarbeit: Bundespr?sident Theodor Heuss weiht die durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen gef?rderte Heimvolkshochschule Bergneustadt im Bergischen Land ein.

Ab Mai 1956 führt der Leiter des Kulturpolitischen Referats im SPD-Parteivorstand, Günter Grunwald, die Gesch?fte der FES aus einem kleinen Büro in Bonn. Die Stiftung wird im Verh?ltnis zur SPD eigenst?ndig, finanziert sich vermehrt aus Steuergeldern und ist bald bundesweit aktiv. Unter Federführung des ersten Gesch?ftsführers gelingt es, politische Bildungsarbeit, Begabtenf?rderung, sozialwissenschaftliche und historische Forschung, Politikberatung und internationale Zusammenarbeit auszubauen. Die n?tigen Finanzmittel speisen sich aus ?ffentlichen Quellen wie dem Ausw?rtigen Amt, dem 1961 gegründeten Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, der Volkswagenstiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesinnenministerium. Die geforderten Eigenmittel werden durch Spenden aus Gewerkschaften, aus gemeinwirtschaftlichen Organisationen und von der Stiftung nahestehenden Pers?nlichkeiten aufgebracht. Auf Initiative der FES gelingt es 1965, zur Grundfinanzierung aller politischen Stiftungen der Bundesrepublik "Globalmittel" sicherzustellen, um Allgemeinkosten unabh?ngig von Projektgeldern zu decken.

Neubau in Bonn 1969: Platz für historische Forschung, Archiv und Bibliothek

Der 6. Juni 1969 steht für einen Meilenstein vor allem in der historischen Arbeit. Der SPD-Vorsitzende Willy Brandt er?ffnet an der Godesberger Allee 149 den Neubau des Archivs der sozialen Demokratie (AdsD), in den auch alle anderen Abteilungen einziehen. Die neue Zentrale der FES entsteht. Das Archiv beherbergt historische Akten und Nachl?sse aus SPD-Parteivorstand, SPD-Bundestagsfraktion und den meisten Gewerkschaften. Neben dem Archiv steht die Bibliothek der FES, heute eine der weltgr??ten wissenschaftlichen Spezialbibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung und der Zeitgeschichte. Mit diesem Fundus beginnt das seit 1961 von dem Volkswirt Horst Heidermann geleitete Forschungsinstitut historisch zu forschen und zu publizieren. Besonderer Fokus ist der Beitrag von SPD und Gewerkschaften für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland sowie - in Auseinandersetzung mit SED und DDR - die marxistisch-leninistische Darstellung der Geschichte.

Internationale Arbeit im Zeichen von sozialer Gerechtigkeit, Demokratie und Sicherheit. Engagement in den neuen Bundesl?ndern.

In der internationalen Arbeit konzentrieren sich Organisations- und Politikberatung, Forschungskooperation, Wirtschafts-, Demokratie- und Medienf?rderung anfangs auf Asien, Afrika und Lateinamerika. In den 1970er-Jahren kommt zus?tzlich Europa in den Blick: Die FES unterstützt die demokratischen Umbruchprozesse in Portugal, Spanien und Griechenland. 1973 etwa gründet sich die portugiesische Sozialistische Partei (SP) um den sp?teren Minister- und Staatspr?sidenten Mário Soares in der Kurt-Schumacher-Akademie in Bad Münstereifel. In Spanien unterstützt die FES den Aufbau der Gewerkschaft UGT und der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) um den sp?teren Ministerpr?sidenten Felipe González.

In den 1980er-Jahren wendet sich die Stiftung auch den westlichen Industriel?ndern zu und er?ffnet Büros in Paris, London, New York und Washington.

Als die Reformbewegungen in Mittel-und Osteuropa 1987/88 an Dynamik gewinnen, stützt sich die FES dort auf ein Netzwerk, das aus Forschungskontakten, Stipendiaten-Programmen und dem Austausch von Journalisten entstanden war. 1989 wird ein Büro in Moskau er?ffnet. Ab 1990 ist die Stiftung auch in Warschau, Budapest, Prag und Bratislava vertreten. Nach 1989 engagiert sich die FES in den neuen deutschen Bundesl?ndern und gründet Landesbüros. Die meisten inl?ndischen Heimvolkshochschulen werden in den 1990er-Jahren aufgegeben, da sich die Bildungslandschaft ver?ndert - mit der Folge, dass auch in den alten Bundesl?ndern Landes- und Regionalbüros gegründet werden und diese ihre Bildungsveranstaltungen noch st?rker dezentral organisieren.

Die FES heute: Weltweit aktiv für die Werte der Sozialen Demokratie

1999 zieht die Regierung in die neue Hauptstadt Berlin und die FES er?ffnet ein neues Konferenz- und Tagungszentrum am Berliner Tiergarten. 2008 kommt ein zweites Geb?ude für die internationale Arbeit hinzu.

Wandel und Konstanz haben die Stiftung über die Jahrzehnte gepr?gt. Doch Grundlage aller Aktivit?ten bleiben stets die Werte der Sozialen Demokratie: Freiheit, Solidarit?t, Gerechtigkeit. Heute bildet und ber?t, unterstützt und vernetzt die FES überall Menschen, Organisationen und Bewegungen, die diese Werte teilen.

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